Morgen tritt die BITV 2.0 in Kraft

Die „Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung — BITV 2.0)“ vom 12. September 2011 wurde heute im Bundesgesetzblatt veröffentlich. Sie löst die seit 2002 gültige BITV ab, die nicht mehr dem Stand der aktuellen Enwicklungen im Bereich der Barrierefreiheit entspricht.

Inhaltlich orientiert sich die BITV 2.0 stark an den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.0 des W3C. In aller Regel sollte eine Seite, die dem WCAG-Conformance-Level AA entspricht, auch konform zur Priorität 1 der  BITV 2.0 sein.

Die Differenzierung zwischen Priorität 1 und Priorität 2 ist auch der Hauptunterschied zum Aufbau der WCAG 2.0. Die WCAG 2.0 ist nach den vier Prinzipien Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit gegliedert; jeder Empfehlung innerhalb dieser Prinzipien ist dann ein Level zugeordnet (A, AA oder AAA). Bei der BITV 2.0 bilden die zwei Prioritätsstufen die Hauptgliederung, wobei der Prioritätsstufe 1 die Guidelines mit Level A und Level AA zurgeordnet sind. Die AAA-Guidelines finden sich in Priorität 2. Insofern ist die BITV für sich betrachtet eigentlich ein Stück weit praxistauglicher, dafür aber inhaltlich etwas zergliederter. Allerdings kann durch die unterschiedliche Gliederung die internationale Abstimmung erschwert werden.

Was heißt das?

Über die BITV 2.0 werden die Prinzipien der WCAG 2.0 in der deutschen Gesetzgebung verankert. Das ist ein wichtiger Schritt sowohl für Anbieter und Agenturen als auch für Nutzer digitaler Informationstechnik, da einige der Regeln der BITV 1.0 inzwischen einfach überholt sind und in manchen Fällen die Entwicklung guter Lösungen eher behindert haben.

Bleibt zu hoffen, dass die Bundesländer (soweit das nicht ohnehin automatisch geschieht) die neue Verordnung zügig übernehmen. Aber auch für Institutionen und Firmen, die nicht gesetzlich zur Barrierefreiheit verpflichtet sind, bildet die BITV 2.0 eine gute und zeitgemäße Grundlage, um ihre digitalen Angebote zu evaluieren und zu verbessern.

Wir sind gespannt auf die Lösungen, die im Rahmen der neuen Möglichkeiten entstehen!

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